Störaussendung oder Störfestigkeit – was brauche ich?
Beide Begriffe beschreiben EMV, aber aus entgegengesetzter Richtung. Welche Messung Sie brauchen, lässt sich meist schon am beobachteten Symptom ablesen.
Kurze Antwort
Störaussendung misst, was Ihr Produkt abgibt – gemessen in der Vollabsorberkammer in Harbke. Störfestigkeit prüft, was Ihr Produkt aushält – geprüft in der Schirmkabine in Meine. Stört Ihr Gerät andere, geht es um Störaussendung. Wird Ihr Gerät gestört, geht es um Störfestigkeit.
Der Unterschied in einem Satz
Ein Gerät ist elektromagnetisch verträglich, wenn es in seiner Umgebung arbeitet, ohne andere unzulässig zu stören – und ohne selbst unzulässig gestört zu werden. Aus diesen beiden Halbsätzen folgen die beiden Messrichtungen.
Sie werden getrennt gemessen, weil sie unterschiedliche Messtechnik und unterschiedliche Umgebungen brauchen: Für die Aussendung ist eine reflexionsarme Umgebung nötig, für die Störfestigkeit eine abgeschirmte Umgebung, in der gezielt Störgrößen eingekoppelt werden.
Welche Symptome auf was hindeuten
Suchen Sie die Beobachtung, die Ihrer Situation am nächsten kommt.
- „Ein anderes Gerät in der Nähe stört, sobald mein Produkt läuft.“Störaussendung
- „Eine externe Prüfung hat Grenzwertüberschreitungen gezeigt.“Störaussendung
- „Mein Gerät setzt aus, wenn nebenan eine Maschine schaltet.“Störfestigkeit
- „Beim Berühren des Gehäuses kommt es zu Resets.“Störfestigkeit
- „Die Kommunikation bricht in bestimmten Umgebungen ab.“Störfestigkeit
- „Ich weiß nur, dass EMV ein Thema wird – mehr noch nicht.“Beratung
Die beiden Messungen im Vergleich
Störaussendung
- Frage
- Was gibt mein Produkt ab?
- Verfahren
- gestrahlt und leitungsgebunden
- Testumgebung
- richtet sich nach Verfahren und Prüfling – Harbke oder Meine
- Typisches Ergebnis
- Pegel je Frequenz, Grenzwertvergleich
Störfestigkeit
- Frage
- Was hält mein Produkt aus?
- Verfahren
- gestrahlt, leitungsgebunden, ESD, Surge, Burst
- Testumgebung
- richtet sich nach Verfahren und Prüfling – Harbke oder Meine
- Typisches Ergebnis
- dokumentiertes Verhalten je Störgröße
Wann beides sinnvoll ist
Für die meisten Produkte gelten Anforderungen in beide Richtungen. In der Entwicklung lohnt sich trotzdem eine Reihenfolge: Zuerst die Richtung messen, in der ein Problem vermutet wird oder aus der bereits ein Befund vorliegt.
Beides gleichzeitig ist sinnvoll, wenn Sie vor einer externen Prüfung den vollständigen Status brauchen oder wenn eine Maßnahme beide Seiten betrifft – eine Schirmanbindung wirkt in der Regel in beide Richtungen.
Wenn Sie unsicher sind, klären wir die Reihenfolge in der EMV-Beratung vorab – das spart in der Regel Messzeit.
Passende Messung gemeinsam festlegen
Beschreiben Sie kurz die Beobachtung an Ihrem Produkt – wir sagen Ihnen, welche Messung weiterhilft.

