Was passiert, wenn eine Messung auffällig ist?
Eine Grenzwertüberschreitung ist in der Entwicklung kein Rückschlag, sondern ein Befund. Entscheidend ist, was danach passiert – und dass am Ende belegt ist, welche Maßnahme gewirkt hat.
Kurze Antwort
Wir bleiben am Prüfling. Aus dem Messwert wird eine Eingrenzung der Störquelle, daraus eine begründete Maßnahme und daraus eine Nachmessung unter vergleichbaren Bedingungen. Am Ende steht nicht die Vermutung, dass etwas geholfen hat, sondern ein dokumentierter Vorher-Nachher-Vergleich.
Der Ablauf in vier Schritten
Die Schritte wiederholen sich so oft, wie es die Entwicklung braucht.
Schritt 1
Messwert einordnen
In welchem Frequenzbereich, bei welchem Betriebszustand, wie deutlich? Erst wenn das Bild klar ist, lohnt die Suche nach der Ursache.
Schritt 2
Störquelle lokalisieren
Mit Nahfeldsonden gehen wir Leiterplatte, Leitungen, Steckverbinder und Gehäuseöffnungen ab und grenzen den Ort ein.
Schritt 3
Maßnahme umsetzen
Eine begründete Änderung, einzeln umgesetzt – am Aufbau, an der Leitungsführung, an Filterung oder Schirmanbindung.
Schritt 4
Nachmessen
Verifikation unter vergleichbaren Bedingungen. Erst die Nachmessung zeigt, ob die Maßnahme wirkt und wie stark.
Warum immer nur eine Maßnahme
Der verbreitetste Fehler in der Fehlersuche ist, mehrere Änderungen gleichzeitig umzusetzen: Ferrit drauf, Kabel neu verlegt, Schirmanbindung nachgezogen. Wird der Pegel danach besser, weiß niemand, welche der drei Änderungen es war.
Für die Serie ist das teuer: Im Zweifel wandern alle drei Maßnahmen ins Produkt, obwohl eine gereicht hätte. Wir ändern deshalb eine Sache auf einmal und messen dazwischen.
Was „vergleichbare Bedingungen“ bedeutet
Eine Nachmessung ist nur dann aussagekräftig, wenn sich zwischen den Messungen ausschließlich die Maßnahme geändert hat. Gleich bleiben muss insbesondere:
- Position und Ausrichtung des Prüflings
- Führung und Länge aller Leitungen
- angeschlossene Peripherie und Lasten
- Betriebszustand und Betriebsart
- Messkonfiguration und Messmittel
Deshalb dokumentieren wir den Aufbau bereits bei der ersten Messung mit Fotos und Randbedingungen – ohne diese Dokumentation ist eine spätere Nachmessung wertlos.
Wenn die Maßnahme nicht wirkt
Das kommt vor und ist kein verlorener Termin: Eine widerlegte Hypothese schließt einen Pfad aus und verkleinert den Suchraum. Wir halten fest, was geprüft wurde und was es nicht war, und gehen die nächste Hypothese an.
Ehrlich gesagt gehört das zur Fehlersuche dazu. Wer Ihnen zusagt, jede Auffälligkeit im ersten Anlauf zu beseitigen, verspricht etwas, das sich nicht halten lässt – die Wirkung einer Maßnahme zeigt erst die Messung.
Wie eine Ursachenanalyse im Detail abläuft, steht unter Ursachenanalyse und Optimierung. Typische Muster finden Sie unter Häufige EMV-Probleme.
Auffälligkeit gemeinsam eingrenzen
Schicken Sie uns den Befund und die Randbedingungen der Messung – wir schlagen den nächsten Messschritt vor.

