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ESD, Burst und Surge verständlich erklärt

Drei Begriffe, die in Störfestigkeitsprüfungen ständig auftauchen. Dieser Artikel erklärt, wo die Störgrößen im Alltag herkommen, wie sie sich unterscheiden und wie wir sie in der Schirmkabine in Meine untersuchen.

Kurze Antwort

Alle drei sind kurzzeitige Störereignisse, unterscheiden sich aber in Impulsform, Dauer und Wiederholung: ESD ist die Entladung eines aufgeladenen Menschen – ein einzelner, sehr kurzer Impuls mit extrem steilem Stromanstieg. Burst sind Pakete sehr kurzer Impulse in schneller Wiederholung, wie sie beim Prellen von Schaltkontakten entstehen. Surge sind vergleichsweise lange, energiereiche Stoßspannungen, etwa nach einem Blitzeinschlag in der Nähe – sie können Bauteile dauerhaft zerstören.

Die drei Störgrößen im Überblick

StörgrößeWoher sie im Alltag kommtCharakter
ESD
Elektrostatische Entladung
Mensch berührt Gerät, Reibung an Kleidung oder Verpackungsehr kurzer Einzelimpuls mit extrem steilem Stromanstieg
Burst
Schnelle transiente Störgrößen
Prellen von Relaiskontakten, Schaltvorgänge an InduktivitätenPakete sehr kurzer Impulse in schneller Wiederholung
Surge
Stoßspannungen
Blitzeinschlag in der Nähe, Schalten großer Lasten im Netzvergleichsweise langer, energiereicher Stoßimpuls mit Schadenspotenzial

ESD: die elektrostatische Entladung

Jeder kennt den Schlag beim Anfassen einer Türklinke. Genau dieses Ereignis trifft auch Ihr Produkt – beim Bedienen, beim Einstecken eines Steckers, beim Auspacken.

Für die Elektronik ist die extreme Steilheit das Problem: Der Stromanstieg ist so schnell, dass sich die Entladung über parasitäre Pfade verteilt und in Signalleitungen einkoppelt, statt sauber abzufließen. Typische Folgen sind Resets, Anzeigefehler, Kommunikationsabbrüche und im ungünstigen Fall ein defekter Eingang.

In der Praxis entscheidet weniger die Schutzbeschaltung allein als vielmehr der Entladungspfad: Führt die Konstruktion die Energie über das Gehäuse ab oder über die Leiterplatte?

Burst: schnelle Impulsfolgen

Wenn ein Relaiskontakt öffnet oder schließt, prellt er. Dabei entsteht keine einzelne Störung, sondern eine ganze Folge steiler Impulse, die sich über Leitungen im System ausbreitet.

Für den Prüfling ist die Wiederholung das Kritische: Ein einzelner Impuls wird oft weggesteckt, ein Paket in schneller Folge bringt Zustandsautomaten und Kommunikationsstrecken durcheinander. Typische Beobachtung ist ein Gerät, das immer dann aussetzt, wenn nebenan eine Maschine schaltet.

Burst-Störungen laufen über Leitungen ins Gerät. Filterung am Eingang, Leitungsführung und Masseanbindung sind deshalb die üblichen Ansatzpunkte.

Surge: energiereiche Stoßspannungen

Surge ist die energiereichste der drei Störgrößen. Auslöser sind Blitzeinschläge in der Nähe oder das Schalten großer Lasten im Versorgungsnetz.

Anders als bei ESD und Burst geht es hier selten um vorübergehende Funktionsstörungen, sondern um bleibende Schäden: durchlegierte Halbleiter, zerstörte Netzteile, beschädigte Schnittstellen. Deshalb ist Surge auch die Störgröße, bei der ein Prüfling im Zweifel kaputt geht – das planen wir vorher gemeinsam ein.

Übliche Ansatzpunkte sind ein mehrstufiges Schutzkonzept aus Grob- und Feinschutz sowie eine Serienimpedanz in den betroffenen Pfaden.

Wie wir das in Meine untersuchen

In der Schirmkabine in Meine koppeln wir die Störgrößen gezielt ein und beobachten, wie Ihr Prüfling reagiert: Welche Funktion setzt aus, welche Baugruppe reagiert, ab welchem Pegel tritt der Effekt auf. Jede Auffälligkeit wird mit Störgröße, Pegel, Einkoppelpunkt und Betriebszustand protokolliert.

Der Unterschied zu einer formalen Prüfung liegt im Zweck: Wir wollen verstehen, warum der Prüfling reagiert. Deshalb lassen sich Änderungen am Aufbau – Filter, Schirmanbindung, Leitungsführung – direkt ausprobieren und einzeln nachmessen.

Welche Störgrößen und welche Pegel sinnvoll sind, stimmen wir vorab projektbezogen ab. Details zur Umgebung stehen unter Störfestigkeit prüfen und Standort Meine.

Weitere Grundlagen und praktische Hilfen im Überblick

Störfestigkeit untersuchen lassen

Beschreiben Sie Prüfling, Betriebszustände und die beobachtete Auffälligkeit – wir stimmen den Prüfumfang mit Ihnen ab.